PKV-Tarif mit hohem Selbstbehalt sinnvoll?

Mitglieder einer privaten Krankenversicherung können entscheiden, wie hoch ihr jährlicher Selbstbehalt ausfallen soll. Zudem können sie festlegen, wie dieser strukturiert ist. Damit sind die Kosten gemeint, welche das Mitglied selbst trägt. Mögliche Ersparnisse stehen dabei hohen Risiken entgegen.

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Ein hoher Selbstbehalt führt zu niedrigen Prämien

Ersparnis durch Selbstbehalt in PKV
© mrmohock / Adobe Stock

Der Selbstbehalt hat maßgeblichen Einfluss auf die Höhe der monatlichen Beiträge der PKV. Je mehr Sie selbst zahlen, desto geringer werden die Beträge, die Sie monatlich an die Krankenversicherung überweisen müssen.

Ein hoher Selbstbehalt ist deshalb beispielsweise ein guter Weg, um Einsparungen zu erzielen und so das monatliche Budget zu entlasten. Es besteht allerdings das Risiko, dass eine ernsthafte Krankheit zu einem großen finanziellen Problem wird.

6 Modelle für den Selbstbehalt in der PKV

Insgesamt existieren sechs Modelle, wie der Selbstbehalt (oft auch Selbstbeteiligung genannt) mit der PKV vereinbart werden kann:

  1. jährlicher Fixbetrag: Sie zahlen beispielsweise die ersten 1000 Euro an Kosten eines jedes Jahres. Den Rest übernimmt die Versicherung.
  2. prozentualer Selbstbehalt: Sie zahlen von jeder Rechnung einen bestimmten Prozentsatz selbst.
  3. bausteinabhängige Selbstbeteiligung: Sie zahlen bei modular aufgebauten Versicherungstarifen einen fixen Betrag selbst – beispielsweise 50 Euro für den Besuch beim Zahnarzt.
  4. Rückerstattungen der Prämien: Manche Versicherungen bieten die Möglichkeit an, alle Rechnungen selbst zu zahlen. Dann werden die Prämien zurückerstattet.
  5. Mischung aus einem Fixbetrag und einem prozentualen Selbstbehalt: Sie zahlen beispielsweise 30% für jede Behandlung, alle Medikamente, etc. selbst – höchstens aber 500 Euro.
  6. leistungsdynamischer Selbstbehalt: Diese Variante ist selten. Sie zahlen einen fixen Betrag für Einzelleistungen wie Arztbesuche, Medikamente, etc.

Der maximale Selbstbehalt beträgt 5000 Euro – und kann steuerlich nicht geltend gemacht werden


Sie können mit Ihrer Krankenversicherung keinen unendlich hohen Selbstbehalt ausmachen. Maximal dürfen Sie pro Jahr 5000 Euro selbst bezahlen. Dies schreibt § 193 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) vor. Diese Regelung soll verhindern, dass ein Patient durch eine Operation oder beispielsweise eine Dialyse wirtschaftlich ruiniert würde und die Behandlung deshalb nicht antritt.

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Weiterhin zu beachten ist, dass der Selbstbehalt steuerlich nicht geltend gemacht werden, sondern nur der Basisschutz der Versicherung. Dies hat der Bundesgerichtshof entschieden (Az. X R 43/14). Eine Chance, einen Teil der eigenen Kosten über das Finanzamt zurückzuerhalten, besteht also nicht.

Für wen macht ein hoher Selbstbehalt Sinn?

Frau bei Beratung für PKV Tarife
© leonidkos / Adobe Stock

Es liegt auf der Hand, dass ein hoher Selbstbehalt nicht für chronisch Kranke und ältere Versicherte geeignet ist. Für sie würden die Eigenkosten viel zu hoch. Ein ähnliches Bild ist für Arbeitnehmer zu zeichnen. Bei ihnen zahlt der Arbeitgeber die Hälfte der Prämien, nicht aber 50% des Selbstbehalts. Für sie ist es deshalb fast immer besser, einen kleinen oder überhaupt keinen Selbstbehalt zu haben.

Für Freiberufler und Selbständige ist ein hoher Selbstbehalt dagegen möglicherweise interessant. Da sie die monatlichen Prämien alleine tragen müssen, kommt ihnen hier eine Ersparnis entgegen. Sinnvoll ist das Ganze für sie aber auch nur, wenn Sie jung und gesund sind. Auf Dauer ist ein solcher Tarif ungeeignet.

Ein wichtiges Problem: Wechsel in ein anderes Modell

Der letzte Punkt berührt ein wichtiges Problem. Dauerhaft ist ein PKV-Tarif mit hohem Selbstbehalt für niemanden sinnvoll. Bei einem Wechsel in ein anderes Modell bestehen allerdings einige Fallstricke. Einige Anbieter nehmen beispielsweise Risikozuschläge. Andere wünschen eine neuerliche Gesundheitsprüfung.

Fazit

Die „reine Lehre“ macht beim Selbstbehalt keinen Sinn. Sie sollten nicht die 5000 Euro maximal ausreizen, um sich möglichst geringer Beiträge zu erfreuen. Das Risiko, das doch etwas passiert, ist einfach zu groß. Es ist aber ebenfalls nicht ratsam, jeden Monat deutlich zu viel an die eigene PKV zu überweisen. Interessant sind deshalb die oben erläuterten Modelle 4 und 5. Sie bleiben flexibel, aber haben die Sicherheit, dass Sie nicht finanziell überfordert werden. Vereinbaren Sie deshalb stets einen jährlichen Maximalbetrag.

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