Krankenversicherung: Wechsel von privat in gesetzlich

Wer als privat Versicherter zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln möchte, sollte sich zuvor über die Regelungen informieren. Je nachdem ob man selbstständig, angestellt oder verbeamtet ist, gelten völlig unterschiedliche Voraussetzungen für den Wiedereintritt in das staatliche Versicherungssystem.

Ein Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung kann sich sehr schwierig gestalten. Denn grundsätzlich ist die Rückkehr nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Wer diese nicht erfüllt, muss zwangsläufig in der PKV bleiben.

Regelungen für Angestellte

privat gesetzlich
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Im Gegensatz zu allen anderen Personenkreisen haben es Angestellte noch relativ einfach, zurück in die gesetzlichen Krankenkassen zu wechseln. Eine der wesentlichsten Voraussetzungen betrifft das Einkommen. Dieses muss für mindestens ein volles Jahr unter die Versicherungspflichtgrenze fallen. 2012 liegt die Einkommensgrenze bei 4.237,50 Euro pro Monat. Privat versicherte Arbeitnehmer, die weniger verdienen, kehren automatisch in die gesetzliche Krankenversicherung zurück.

Diese Regelung gilt jedoch nicht, wenn sich Angestellte aus einem bestimmten Grund und auf eigenen Wunsch von der Versicherungspflicht befreien lassen, ohne dass die Versicherungspflichtgrenze erreicht wurde. Denn diese selbst gewählte Befreiung kann nicht rückgängig gemacht werden, wodurch ein Wechsel in die GKV nicht mehr möglich ist.

Anders sieht es aus, wenn der Grund der Befreiung verfällt. Der Eintritt einer Arbeitslosigkeit kann z.B. dazu führen, dass die jeweils zuständige Behörde den Versicherungsnehmer wieder gesetzlich versichert. Ferner ist die Rückkehr auch dann nicht möglich, wenn der Versicherungsnehmer mindestens 55 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren privat versichert ist.

Der Wechsel für Angestellte ist…


  • möglich bei Unterschreiten der Versicherungspflichtgrenze (beträgt 2012 monatlich 4.237,50EUR)
  • nicht möglich, wenn sich der Versicherungsnehmer freiwillig von der Versicherungspflicht befreien lassen hat
  • nicht möglich, wenn 55 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren in der PKV versichert ist

Regelungen für Selbstständige

Etwas schwieriger wird es für Selbstständige, die zurück in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln möchten. Selbstständige haben grundsätzlich die Möglichkeit, bei Aufnahme ihrer Tätigkeit zu entscheiden, ob sie privat oder gesetzlich krankenversichert sein möchten. Wer sich privat versichert, läuft Gefahr, in der PKV festzustecken.

Für Selbstständige besteht ausschließlich mit dem Aufgeben der selbstständigen Tätigkeit oder Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung die Möglichkeit, wieder in die gesetzliche Versicherung zurückzukehren.
Spätestens mit dem 55. Lebensjahr wird dann der Weg zurück endgültig versperrt. Denn Versicherungsnehmer, die mehr als fünf Jahre in einer Privatversicherung sind und das Alter von 55 Jahren erreicht haben, können nicht mehr zurück in die GKV wechseln.

Der Wechsel für Selbstständige ist…

  • möglich bei Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit
  • möglich bei Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit
  • nicht möglich, wenn 55 Jahre alt und seit mindestens fünf Jahren in der PKV versichert ist

Regelungen für Beamte

Für Beamte ist es ebenfalls recht schwierig, in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln. Zudem scheint das aus Kostengründen auch nicht sehr effektiv. Denn Beamte benötigen grundsätzlich keine volle Krankenversicherung, sondern lediglich einen Schutz, der sämtliche Leistungen beinhaltet, die nicht als Beihilfe gezahlt werden. Die Privatversicherungen bieten eigens zu diesem Zweck verschiedene Versicherungspolicen, die sich an den Bedürfnissen der Beamten orientieren.

Darüber hinaus wird von den gesetzlichen Krankenkassen kein Zuschuss durch den Dienstherren gezahlt, bei einer Privatversicherung zahlt dieser hingegen Zuschüsse für den Versicherungsnehmer und deren Familienmitglieder. Wer jedoch als Beamter einmal privat versichert ist, kann die PKV nicht einfach so verlassen. Voraussetzung sich wieder gesetzlich versichern lassen zu können, ist das Aufgeben des Beamtentitels oder eine eintretende Arbeitslosigkeit.

Der Wechsel für Beamte ist…

  • möglich beim Aufgeben des Beamtentitels
  • möglich bei Arbeitslosigkeit

In 3 Schritten: Die Rückkehr in die GKV

  1. Überprüfen der Voraussetzungen: Abhängig vom Berufsstand sollte zuvor geprüft werden, ob die jeweiligen Voraussetzungen für einen Wechsel erfüllt sind. Beispielsweise: Wird die Versicherungspflichtgrenze unterschritten? Wird eine Selbstständigkeit aufgegeben? Besteht das Versicherungsverhältnis seit weniger als fünf Jahren, sofern der Versicherungsnehmer bereits 55 Jahre alt ist?
  2. Kündigung des bestehenden Versicherungsverhältnisses: Entsprechend der Vertragsbestimmungen muss das bestehende Versicherungsverhältnis rechtzeitig gekündigt werden. Die meisten Versicherungsgesellschaften halten eine Kündigungsfrist von zwei bis drei Monaten als ausreichend. Die Kündigung muss schriftlich zum festgelegten Datum erfolgen.
  3. Auswahl einer gesetzlichen Krankenkasse: Nachdem die private Krankenversicherung das Kündigungsschreiben erhalten hat, versendet diese eine Bestätigung an den Versicherungsnehmer. Erst wenn diese Bestätigung vorliegt, kann eine neue Krankenkasse ausgewählt werden. Die Kündigungsbestätigung muss dem Antrag auf Versicherungsschutz beigelegt werden, ebenso Verdienstnachweise, Nachweise über Gewerbeabmeldungen etc.

Wann ist ein Wiedereintritt die GKV sinnvoll?

  • bei Beitragssteigerungen aufgrund persönlicher Verhältnisse (Krankheiten, Alter, etc.)
  • bei geplanter Familiengründung (keine Familienversicherung in der PKV)
  • bei Arbeitslosigkeit
  • bei Verringerung des monatlichen Einkommens
  • beim Aufgeben einer selbstständigen Tätigkeit

Was kann man tun, wenn eine Rückkehr nicht möglich ist?

Sollte ein Wiedereintritt in die GKV aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten nicht möglich sein, gilt abzuwägen, aus welchem Grund ein Wechsel gewünscht ist. Bei zu hohen Kosten im Alter empfiehlt sich ein Tarifwechsel in den Basistarif. Die Inanspruchnahme empfiehlt sich ebenso bei Arbeitslosigkeit, da die Kosten für den Basistarif von Ämtern übernommen werden müssen.

Bei krankheitsbedingten Beitragserhöhungen kann ein Selbstbehalt oder ein Risikoausschluss gewählt werden. Soll hingegen eine Familie geplant werden, könnte die gesetzliche Krankenversicherung des Partners als Familienversicherung genutzt werden. Allerdings bleibt der privat Versicherte weiterhin in der PKV.