Kapitallebensversicherung vorzeitig kündigen? Lieber verkaufen!


Viele Versicherungsnehmer entscheiden sich immer noch dazu Ihre Kapitallebensversicherung zu kündigen, um früher als geplant das Sparvolumen zu kommen. Dabei ist ein Verkauf häufig die bessere Alternative. Höhere Auszahlung, Steuerfreiheit und das Bestehenbleiben des Versicherungsschutzes sind dabei entscheidende Vorteile.

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Kündigung: Nur 40% der eingezahlten Beiträge

Wer seine Lebensversicherung vorzeitig kündigt, muss immer mit einem finanziellen Verlust rechnen. Dabei gilt die Faustregel, dass je früher die Kündigung erfolgt, desto höher sind auch die finanziellen Einbußen. Dies liegt an den zum Teil sehr hohen Abschluss- und Verwaltungskosten, welche in den ersten fünf Jahren berechnen. Bisher war es zudem so, dass die meisten Versicherungsgesellschaften vom berechneten Rückkaufswert zusätzlich noch Stornokosten berechnet haben. So haben Versicherungsnehmer bei einem eingezahlten Betrag von 60.000 Euro oftmals nur noch 20.000 Euro erstattet bekommen.

Dieser Praxis hat der Bundesgerichtshof durch sein Urteil vom 25. Juli 2012 jedoch eine Absage erteilt. In diesem wurden die Kündigungsklauseln der Versicherung „Deutscher Ring“ bei Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen unwirksam erklärt. Versicherungsnehmer müssen demnach mindestens 40% bis 50% der eingezahlten Beträge erstatten und dürfen keine Stornokosten mehr berechnen. Dennoch verursacht eine Kündigung immer noch sehr hohe Kosten. Erfolgt diese vor dem 12. Vertragsjahr und dem 60.Lebensjahr muss auf die Rückzahlung noch die Abgeltungssteuer gezahlt werden. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg liegen die Kosten für eine vorzeitige Kündigung im Schnitt bei etwa 3.400 Euro.

Verkauf oftmals steuerfrei!

Der Verkauf einer Kapitallebensversicherung bringt zumeist die besseren Erträge. Dies liegt unter anderem auch an der Abgeltungssteuer, die bei einer Kündigung auf den vollen Erstattungsbetrag berechnet wird. Bei einem Verkauf muss hingegen nur der Unterschiedsbetrag zwischen dem Kaufpreis und den eingezahlten Beiträgen versteuert werden. Da es jedoch nur relativ selten der Fall ist, dass der Verkäufer mehr Geld erhält, als eingezahlt wurde fällt die Abgeltungssteuer beim Verkauf oftmals weg.

Ein Beispiel: 30-jähriger, nach 11 Jahren, 33.000 Euro

Angenommen ein Kunde hat einen Vertrag mit einer Versicherungssumme von 100.000 Euro und einer Laufzeit von 30 Jahren abgeschlossen. Wenn er den Vertrag nur nach elf Jahren kündigt liegt der Rückkaufswert bei etwa 33.123,00 Euro. Hierin eingerechnet sind die erhaltenen Zinsen und Überschüsse, welche versteuert werden müssen. Die Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag beträgt in diesem Fall 2.546,12 Euro.

Daraus ergibt sich ein Auszahlungsbetrag von 30.576,88 Euro. Beim Verkauf der Police würde er einen Kaufpreis leicht über dem Rückkaufswert von etwa 33.400 Euro erhalten. Da die Kaufsumme unter den eingezahlten Beträgen liegt wird keine Abgeltungssteuer fällig. Die Ersparnis bei einem Verkauf liegt hier bei etwa 8,6%.

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Ihre Familie bleibt abgesichert

Fällt der Hinterbliebenenschutz bei einer Kündigung vollständig weg, so kann dieser bei einem Verkauf erhalten bleiben. Der Versicherungsnehmer bleibt auch weiterhin als versicherte Person genannt. Verstirbt dieser während der Laufzeit erfolgt die Auszahlung der Versicherungssumme an den jeweils im Vertrag genannten Begünstigten ausgezahlt.

Wann eine Police verkauft werden kann

Der Verkauf soll natürlich sowohl für den Verkäufer wie auch den Käufer rentabel sein. Aus diesem Grund müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, damit das Geschäft auch tatsächlich zustande kommt.

Ein wichtiges Kriterium ist die vorhandene Restlaufzeit. Hier gilt zumeist ein Maximum von 25 Jahren. Dazu muss der aktuelle Rückkaufswert bei mindestens 10.000 Euro liegen. Einige Anbieter kaufen die Police auch erst ab einem Restkaufwert von 20.000 Euro.

Nicht verkauft werden können Fondsgebundene Lebensversicherungen sowie Direktversicherungen, die im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen wurden. Bei Direktversicherungen ist immer der Arbeitgeber Versicherungsnehmer und die fondsgebundenen Varianten sind für Ankäufer nicht ausreichend planbar.

Wie Sie einen guten Anbieter finden

Wer seine Lebensversicherung verkaufen möchte, sollte sich in jedem Fall mehrere Angebote einholen. Diese können sich zum Teil sehr deutlich voneinander unterscheiden. Dabei ist es wichtig, zunächst den aktuellen Rückkaufswert bei der Versicherung zu erfragen. Für den Fall, dass der vom Käufer angebote Preis unter dem von der Versicherung genannten Wert liegt, immer nach dem Grund fragen.

Die Wahl sollte zudem nur auf einen Anbieter fallen, der den vereinbarten Kaufbetrag in einer Summe auszahlt. Einige Firmen bieten nur eine Anzahlung an und Sie erhalten den Rest in monatlichen Raten – Das ist nicht gut!
Bei zu euphorischer Werbung ist ebenfalls Vorsicht geboten. Unternehmen die eine Auszahlung von 150% des Rückkaufswerts versprechen sind in den meisten Fällen unseriös.

Fazit: „Mehr Geld und Schutz bleibt“

Im Vergleich zu einer vorzeitigen Kündigung fahren Kunden beim Verkauf Ihrer Kapitallebensversicherung fast immer besser. Die Auszahlungsleistung ist höher und der Versicherungsschutz bleibt ebenfalls erhalten. Wichtig ist vor allem der genaue Vergleich der Angebote. Anhand dessen kann leicht geprüft werden, ob ein Unternehmen seriös ist oder nicht.