Freiwillige Krankenversicherung in einer gesetzlichen Kasse ein gute Wahl?


Abhängig vom Ihrem jährlichen Einkommen oder Ihrer Berufsgruppe haben Sie die Möglichkeit eine freiwillige Krankenversicherung in einer gesetzlichen Kasse abzuschließen. Hier erfahren Sie alle Grundlagen und bekommen einen direkten Vergleich zu einer Privatversicherung.

Welche Rolle spielen Einkommen und Berufsgruppe?

In Deutschland besteht seit dem Jahr 2009  für jeden Bundesbürger die Krankenversicherungspflicht. Während die meisten Menschen in Deutschland der Pflichtversicherung in der GKV unterliegen, haben einige Personengruppe die Möglichkeit zwischen einer privaten und freiwilligen gesetzlichen Absicherung zu wählen.

Um zwischen den beiden Versicherungsformen wählen zu können, ist üblicherweise eine von zwei grundlegenden Voraussetzungen zu erfüllen.

Der erste Fall betrifft Erwerbstätige, die mit ihrem Bruttojahreseinkommen die  Versicherungspflichtgrenze überschreiten, die jährlich vom Gesetzgeber neu festgelegt wird. Im Jahr 2012 betrug dieser Grenzbetrag 50.850 Euro. Wird dieser überschritten, besteht die Möglichkeit, freiwillig in einer gesetzlichen Kasse zu verbleiben oder in einen privaten Volltarif zu wechseln.


Die andere Voraussetzung bezieht sich ausschließlich auf die Berufsgruppe. Beispielsweise können Selbstständige, Freiberufler oder Beamte unabhängig von ihrem Jahreseinkommen automatisch zwischen den beiden Versicherungsform wählen.

Wie sehen die Leistungen und Kosten aus?

Wahlrecht
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Sollten Sie sich dazu entscheiden in der GKV zu bleiben, ergibt sich im Bezug auf die gebotenen Versicherungsleistungen kein Unterschied gegenüber der Pflichtversicherung. Die Beiträge werden ebenfalls prozentual am Einkommen des Mitglieds ausgerichtet, weshalb jüngere Menschen häufig mit einem Wechsel in einen privaten Tarif liebäugeln.

Bei einer Privatversicherung wird anstelle des monatlichen Einkommens ausschließlich die individuelle, gesundheitliche Situation, sowie das Alter als Grundlage für die Beitragshöhe herangezogen.

Wer nicht aus Gründen der Berufsgruppe, sondern durch Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze zu einem freiwillig Versicherten wird, muss übrigens nicht mehr mit einem Anstieg der Beiträge durch ein wachsendes Einkommen rechnen. Bereits wenige 1.000 Euro unter der Versicherungspflichtgrenze setzt die Beitragsbemessungsgrenze an, die eine Limitierung für die maximalen, monatlichen Beiträge darstellt.

Sollten Sie für sich erkannt haben, dass der Verbleib in einer gesetzlichen Krankenversicherung die richtige Entscheidung ist, müssen Sie – jenseits von Anpassungen durch den Gesetzgeber –  nicht mit steigenden Versicherungsbeiträgen rechnen.

Oder doch lieber in die PKV wechseln?

Es gibt viele Gründe dafür gesetzlich versichert zu bleiben. Mittlerweile spielt der finanzielle Faktor immer häufiger in diese Entscheidung ein.

Private Volltarife überzeugen weiterhin durch ein etwas größeres Leistungsspektrum als der Katalog an Regelleistungen der GKV, allerdings haben stetig steigende Beiträge der PKV  in den letzten Jahren den Wechselwillen negativ beeinflusst.

Da kein Anrecht darauf besteht, aus der Privatversicherung wieder zurück in eine gesetzliche Krankenkasse zu wechseln, verbleiben viele lieber frewillig in der GKV.

Natürlich spielt das monatlich erzielte Einkommen eine erhebliche Rolle bei dieser Entscheidung. Ein Selbstständiger oder Freiberufler mit überschaubaren Einnahmen wird eher bei seiner Krankenkasse bleiben wollen als ein Arbeitnehmer, der monatlich den vollen Beitragssatz bis zur Bemessungsgrenze bezahlen muss und bei einem privaten Volltarif bares Geld sparen könnte. Hier lohnt es sich, langfristiger zu denken und zu erkennen, dass mit steigendem Lebensalter auch die Beiträge der PKV erheblich ansteigen werden.

Letztlich ist die fehlende Familienversicherung der privaten Krankenversicherung ein Grund, warum viele Versicherte freiwillig in einer gesetzlichen Kasse bleiben. Gerade wer über eine größere Familie verfügt, müsste für jedes Mitglied einen separaten Vertrag bei einem privaten Anbieter abschließen, während diese im staatlichen System automatisch über den Hauptversicherungsnehmer mit abgesichert sind. Bei einer größeren Zahl an Kindern wird so selbst ein Beitrag in Maximalhöhe finanziell lohnenswerter als der Wechsel in die PKV mit vielen Individualverträgen.

Warum es keine private Vollversicherung sein muss

Der Wechsel von der Pflichtversicherung in die freiwillige Krankenversicherung erfolgt in Deutschland größtenteils nach vielen Jahren der Mitgliedschaft bei einer Krankenkasse durch ein stetig steigendes Gehalt. Viele der Betroffenen haben bereits während dieser Jahre Leistungsergänzungen abgeschlossen, beispielsweise durch eine private Zusatzversicherung oder sogenannte Wahltarife, die seit einigen Jahren angeboten werden. Der Wechsel in die PKV alleine aus Leistungsgründen spielt daher eine untergeordnete Rolle, wenn Zusatzverträge rechtzeitig abgeschlossen wurden und monatlich nur sehr geringe Unkosten mit sich bringen.

Natürlich kann sich abhängig von Ihrer individuellen Situation weiterhin ein Wechsel zu einer Privatversicherung als lukrativer herausstellen. Im Wissen um die Veränderungen des Leistungsspektrums sowie steigender Beiträge sollte diese Entscheidung jedoch auf einer fundierten Basis durchgeführt werden.