Erwerbsminderungsrente abgelehnt? Widerspruch gegen Ablehnung


Fast 400.000 Personen pro Jahr stellen für ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente. Ein Großteil hiervon wird vonseiten des Rentenversicherungsträgers jedoch abgelehnt. Versicherte sollten hierbei allerdings nicht den Kopf hängen lassen. Denn nicht selten wird die Rente im Anschluss an einen Widerspruch bewilligt.

50% der Rentenanträge werden nicht bewilligt

Etwa 1,5 Millionen Menschen beziehen hierzulande nach Darstellung des Sozialverbandes Deutschland eine Erwerbsminderungsrente. Rund 180.000 Berufstätige scheiden frühzeitig aus, weil sie nicht mehr oder lediglich eingeschränkt arbeiten können. Jeder Fünfte wird im Laufe seines Erwerbslebens eine Unterstützung aufgrund einer Erwerbsminderung in Anspruch nehmen müssen. Das Durchschnittsalter liegt hierbei bei etwa 50 Jahren, wobei psychische Erkrankungen als Ursache zunehmend auf dem Vormarsch sind.

Jedoch gibt es weit aus mehr Rentenanträge als tatsächliche Bewilligungen. Denn rund die Hälfte der Anträge wird vom gesetzlichen Rententräger nämlich abgelehnt. Die Ablehnung kann hierbei auf verschiedene Gründe beruhen. Einige hiervon sind eindeutig, andere werfen dagegen Zweifel auf – wodurch sich die Möglichkeit für einen Widerspruch öffnet.

Welche Voraussetzungen für einen Anspruch erfüllt sein müssen

Allen voran muss auch tatsächlich ein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente bestehen. Die volle Rente erhalten diejenigen:


  • die keine 180 Minuten am Tag zusammenhängend arbeiten können
  • bei denen Rehabilitationsmaßnahmen zur Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit erfolglos blieben
  • die das reguläre Alter für die Altersrente noch nicht erreicht haben
  • die seit mindestens fünf Jahren Mitglied einer gesetzlichen Rentenversicherung sind. Im Falle einer Berufskrankheit oder eines Arbeitsunfalles kann die Rente für die Erwerbsminderung dennoch zugesprochen werden, wenn die berufsunfähige Person versicherungspflichtig ist oder in den zwei Jahren zuvor wenigstens 12 Monaten lang Pflichtbeiträge eingezahlt hat.
  • die während einer mindestens fünfjährigen Mitgliedschaft für wenigstens drei Jahre Pflichtbeiträge bezahlt haben

In den Genuss eines halben Rentenanspruchs kommen die Versicherten dann, wenn diese wenigstens 180, allerdings keine 360 Minuten täglich durchweg arbeiten können.

Ablehnungsgründe, Fristen, Formulierung des Widerspruchs

Ablehnung Widerspruch
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Eine Ablehnung der Erwerbsminderungsrente beruht zumeist auf das Fehlen der persönlichen Voraussetzungen. Ursächlich ist zumeist ein angeblich nicht hinreichender medizinischer Befund. Der Versicherte muss grundsätzlich derart krank sein, dass dieser auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keinerlei Arbeit mehr ausüben darf. Im Gegensatz zu vielen privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen darf der Versicherte auf jede andere (hinsichtlich Erfahrung, Ausbildung, Gehalt) zumutbare Tätigkeit verwiesen werden.

Sofern Sie Ihre Chancen auf eine Rentenbewilligung erhöhen möchten, sollten Sie dem Antrag aussagekräftige Gutachten über die Krankheit vorlegen. Im Idealfall stammen diese von unterschiedlichen Fachärzten. Wird der erste Antrag abgelehnt, sollten Sie ohnehin ein Gutachten über Ihren Hausarzt oder Arzt Ihres Vertrauens erstellen lassen.

Grundsätzlich wird eine Erwerbsminderungsrente nur auf Antrag gewährt. In nicht wenigen Fällen mangelt es an einer korrekten Antragstellung. In aller Regel erfolgt die Aufforderung hierzu vonseiten der Krankenkasse sobald:

  • Krankengeld bezogen wird und das Ende der Arbeitsunfähigkeit unklar ist
  • diese aufgrund des Gesundheitszustandes davon ausgeht, dass eine Erwerbsunfähigkeit vorliegt
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Im Anschluss wird der Rentenversicherungsträger anhand von Ärztebefragungen und Patientenunterlagen prüfen, ob alle Voraussetzungen vorliegen. Der Rententräger kann zur Feststellung des Leistungsvermögens und Gesundheitszustandes zudem ein fachärztliches Gutachten beantragen. Gerade diese Gutachten können in nicht wenigen Fällen angezweifelt werden und bieten demnach Anlass für einen Widerspruch gegen die Ablehnung.

Da der ablehnende Bescheid ein Verwaltungsakt ist, muss nach § 68 ff. VwGO zwangsläufig ein Widerspruch erfolgen. Dieser ist unbedingt binnen eines Monats nach der Bekanntgabe des Verwaltungsaktes schriftlich oder zur Niederschrift bei der Behörde, die diesen erlassen hat, zu erheben. Einleiten sollten Sie mit den Worten

Hiermit lege ich gegen den Bescheid vom (Datum) Widerspruch ein.

Anschließend muss eine Begründung erfolgen (z.B. weil die Krankengeschichte nicht vollständig berücksichtigt wurde). Daraufhin beginnt das sogenannte Vorverfahren. Bei rund einem Drittel der abgelehnten Anträge wird dem Widerspruch stattgegeben. Hält die Behörde den Widerspruch für nicht begründet, so ergeht ein Widerspruchsbescheid. Diesen können Sie anschließend mit einer Anfechtungsklage anfechten.

Warum die Hinzuziehung eines Rechtsanwaltes sinnvoll ist

Bereits für das Widerspruchsverfahren ist nicht unbedingt ein Rechtsanwalt einzuschalten. In der Vergangenheit hat sich allerdings gezeigt, dass ein Verfahren ohne Anwalt oftmals mit einem ebenfalls ablehnenden Widerspruchsbescheid endet.

Es besteht grundsätzlich die Gefahr, dass Sie im Verfahren ungeschickt agieren und dadurch eine Faktenlage schaffen, die im weiteren Verfahren nur noch schwer zu korrigieren ist. Ferner kann der Anwalt das Druckmittel der Untätigkeitsklage zücken, sollte sich die Rentenversicherung absichtlich zu viel Zeit lassen. Entscheiden Sie sich für eine anwaltliche Unterstützung, sollte der Advokat auf das Fachgebiet „Sozialrecht“ spezialisiert sein. Dem Anwalt ist grundsätzlich Akteneinsicht zu gewähren. Sämtlicher Schriftwechsel (Ablehnungsbescheid, Widerspruchsschreiben, Widerspruchsbescheid etc.) ist diesem vorzulegen. Gleichermaßen sind ärztliche Gutachten und Berichte, welche der Versicherungsträger von Amts wegen einzuholen hat, dem Anwalt zu überreichen. Dieser wird zusätzlich auch die Stellungnahme des sozialmedizinischen Dienstes anfordern. Mit dem Gutachten Ihres Haus- oder Vertrauensarztes wird Ihr Anwalt eine erneute Fallprüfung bei der Rentenversicherung beantragen. Im Falle einer erneuten Ablehnung, unterstützt Sie Ihr Advokat bei der gerichtlichen Auseinandersetzung.

Vielen Antragstellern wurde in der Vergangenheit die ursprünglich abgelehnte Erwerbsminderungsrente schlussendlich durch die Sozialgerichte doch zugesprochen. Um die Kosten des Widerspruchs- und Gerichtsverfahrens nicht selbst tragen zu müssen, sollten Sie frühzeitig über den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung nachdenken. Achten Sie darauf, dass bereits Versicherungsschutz für die außergerichtliche Interessenvertretung besteht.