Betriebliche Altersvorsorge und Vermögenswirksame Leistungen: Das Zusammenspiel


Viele Betriebe bieten ihren Mitarbeitern eine Betriebliche Altersversorge (BAV). Diese unterscheidet sich von den Vermögenswirksamen Leistungen (VWL) dahingehend, dass der Mitarbeiter bei der BAV den Anbieter nicht frei wählen kann und die Einzahlungen oftmals obligatorisch sind.

Der Unterschied im Detail

Vermögenswirksame Leistungen werden vom Betrieb freiwillig gezahlt. Im Tarifvertrag ist festgelegt, ob und in welcher Höhe diese Leistungen an den Arbeitnehmer überwiesen werden. Dieser muss diesen Zuschuss nach einem vorgeschriebenen Zweck verwenden. Dies bedeutet, dass die Zahlung nur dann erfolgt, wenn ein Vertrag nachgewiesen wird, in dem die VWL angelegt werden. Der Betrieb führt die Beträge in der Regel direkt in den Vertrag ab.

Wenn Sie Vermögenswirksame Leistungen von Ihrem Arbeitgeber erhalten, können Sie selbst entscheiden, wie Sie diese verwenden. Wichtig ist, dass der abgeschlossene Vertrag für die Zahlung Vermögenswirksamer Leistungen verwendet werden kann. Dies ist insbesondere der Fall bei:

  • Bausparverträge: Hier bekommen Sie zusätzlich für sieben Jahre eine Arbeitnehmer-Sparzulage.
  • Private Rentenversicherungen: Diese können Sie auch bei einem Arbeitgeberwechsel weiterführen oder private Einzahlungen vornehmen.
  • Wertpapieren: Seit einigen Jahren können Sie Ihre VWL auch in Wertpapiere einbringen. Nicht alle Anlageformen sind dafür geeignet. Es werden nur als sicher geltende Wertpapieranlagen gefördert.

Die betriebliche Altersversorge wird von vielen größeren Unternehmen angeboten. Im Tarifvertrag ist festgelegt, ob Sie als Arbeitnehmer freiwillig Beiträge entrichten können oder ob diese obligatorisch sind. Letzteres verpflichtet Sie zur Zahlung, der Monatsbetrag wird dabei automatischauf Ihr BAV-Konto übertragen.

In der Regel zahlt auch der Betrieb in die BAV ein. Wenn Sie sich nicht für eine freiwillige Zahlung entscheiden, können Sie dennoch Leistungen aus der BAV bekommen, wenn Sie in einem Unternehmen arbeiten, das für seine Mitarbeiter eine freiwillige Zahlung vornimmt.

Die Unterschiede zwischen beiden Anlageformen kurz zusammengefasst:

  • Die VWL können Sie freiwillig in Anspruch nehmen, zur Einzahlung in die BAV werden Sie mitunter verpflichtet.
  • Die Anlageform für die VWL können Sie sich aussuchen, die der BAV wird in der Regel vom Betrieb festgelegt.
  • Den VWL-Vertrag können Sie kündigen und über das eingezahlte Geld verfügen. Die BAV wird in der Regel erst mit Renteneintritt ausgezahlt.

Wann eine Kombination möglich ist

Zusammenschluss
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Nicht immer ist die Einbindung der VWL in die BAV möglich. Der Arbeitgeber muss eine Anlageform der BAV anbieten, die per VWL gefördert werden kann. Der Arbeitgeber mussen Ihnen also die Möglichkeit bieten, in Wertpapiere zu investieren oder in eine entsprechend geförderte Rentenversicherung abzuschließen. Sie haben den Vorteil, dass Sie bei betriebsinternen Verträgen eine höhere Rendite bekommen können. Als Nachteil müssen Sie eine geringe Wahlfreiheit in Kauf nehmen.

Weiterhin durfen Sie keinen weiteren Vertrag besitzen, der per VWL gefördert wird. Wenn ein solcher bereits besteht und noch nicht abgelaufen ist, sollten Sie eine Umwandlung prüfen. Ist dies nicht möglich, müssen Sie abwägen, ob es sinnvoll ist, die Laufzeit des Vertrages abzuwarten oder diesen vorzeitig zu kündigen.

Sind Ihre VWL nicht an einen anderen Vertrag gebunden, vereinbaren Sie mit Ihrem Arbeitgeber die Überführung in einen bereits bestehenden oder neu abzuschließenden BAV-Vertrag ab einem bestimmten Zeitpunkt. Die Vermögenswirksamen Leistungen, die Ihnen von Ihrem Arbeitgeber gezahlt werden, fließen ab dem vereinbarten Zeitpunkt in die betriebliche Altersversorge ein.

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Vorteile der Einbindung:

  • VWL und BAV aus einer Hand verursachen weniger Kosten
  • Vor allem bei innerbetrieblichen Wertanlagen ist die Rendite höher
  • Sie müssen sich nicht um die Suche nach einem rentablen Angebot bemühen
  • Die Verwaltung des Vertrages übernimmt der Betrieb.

Es gibt auch Nachteile:

  • keine freie Wahl der Vertrages
  • mitunter lange Bindung an das Angebot des Betriebes
  • bei Ausscheiden aus dem Betrieb erst nach Renteneintritt Zugriff auf die Einlagen

So können Sie den Vertrag umwandeln

Die Umwandlung einer VWL in eine BAV ist nur dann möglich, wenn Ihr Betrieb eine solche Umwandlung unterstützt und wenn Sie eine Anlage gewählt haben, die umwandlungsfähig ist.

Haben Sie beispielsweise einen Bausparvertrag abgeschlossen und bringen Sie Ihre Vermögenswirksamen Leistungen in diesen ein, wird eine Umwandlung nicht möglich sein. Die betriebliche Altersversorge, die von den meisten Unternehmen angeboten wird, setzt nicht auf das Bausparen, sondern auf die Vermögensbildung. Abhängig vom Betrieb können Sie Aktien oder Wertpapiere kaufen oder Sie zahlen  in eine Pensionskasse ein.

Möchten Sie Ihre VWL in eine betriebliche Altersversorge umwandeln, muss diese also mit Ihrem bisherigen Vertrag kompatibel sein.

Dies wäre in folgendem Beispiel der Fall: Sie besitzen eine Rentenversicherung, in die Sie Ihre Vermögenswirksamen Leistungen einbringen. Ihr Arbeitgeber arbeitet mit der Versicherungsgesellschaft zusammen und beide stimmen der Umwandlung zu. Dann ist ein Umwandlung möglich. Darüber hinaus gibt es in immer mehr Betrieben verschiedene Modelle, die Ihnen das Umwandeln erleichtern und die Entscheidung vereinfachen.

Wenn Sie Vermögenswirksame Leistungen bekommen und die Möglichkeit haben, eine Umwandlung Ihres Vertrages in eine BAV vorzunehmen, sollten Sie diesen Schritt in Erwägung ziehen, denn es ergeben sich für Sie einige Vorteile.

  • Während die Vermögenswirksamen Leistungen steuer- und sozialversicherungspflichtig sind, sind die Beiträge, die Sie in die betriebliche Altersversorge einbringen, kostenfrei.
  • Sie haben einen Vertrag, in den sämtliche Leistungen einfließen. Das ist übersichtlicher und kostet Sie weniger Gebühren.
  • Eine betriebliche Altersversorge hat häufig eine höhere Rendite als andere Anlageformen, vor allem dann, wenn das Unternehmen gesund ist und die Anlage an Aktien oder Wertpapiere gekoppelt ist.

Berücksichtigen Sie auch diese Nachteile:

  • Entscheiden Sie sich für eine Anlage, die in eine BAV umgewandelt werden kann, verzichten Sie in der Regel auf einen Bausparvertrag. Wenn Sie ein Haus besitzen oder eine Wohnung Ihr Eigen nennen, bekommen Sie keinen günstigen Kredit für Finanzierungen und verzichten zudem auf die Arbeitnehmer-Sparzulage.
  • Die Umwandlung kann mit einen finanziellen Verlust verbunden sein. Dieser ist abhängig von den vertraglichen Bedingungen und kann unter Umständen das bereits eingelegte Vermögen um einige Prozentpunkte verringern.
  • Wenn Sie aus dem Betrieb ausscheiden, kann es sein, dass Sie Ihre BAV nicht auflösen können, sondern erst nach Eintritt des Rentenalters ausgezahlt bekommen. Sie haben auch im Notfall keine Verfügungsmöglichkeit über Ihr eingelegtes Geld und die VWL. Dies ist bei anderen Anlageformen, etwa einem Bausparvertrag, flexibler.