Rückkaufswert einer Lebensversicherung: Was ist das?

Jede Lebensversicherung hat einen sogenannten Rückkaufswert. Diese Zahl bemisst den aktuellen „Verkaufswert“ eine Versicherungspolice zu einem bestimmt Zeitpunkt. Doch welchen Hintergrund hat der Rückkaufswert und wie wird er ermittelt?

Was ist der Rückkauf einer Lebensversicherung?

Berechnung
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Unter den Lebensversicherungen gibt es unzählige Modelle und Varianten. Besonders im Hinblick auf die Laufzeiten zeigen sich viele Unterschiede. Doch was tun, wenn die Versicherung vor Ablauf der Vertragslaufzeit gekündigt werden muss oder verkauft werden möchte? Wie viel bekommt man dann eigentlich wieder ausgezahlt? Die Rede ist vom Rückkaufswert.

Dieser ist jedem Fall nicht mit der Summe vergleichbar, die einem laut Vertrag nach Ablauf der Vertragslaufzeit tatsächlich zustehen würde. Jedoch ist es in einigen Fällen unabdingbar, sich den Rückkaufswert einmal genauer zu betrachten.

Wertentwicklung der Versicherung

Einmal im Jahr erhalten Versicherungsnehmer von ihrer Lebensversicherung ein Schreiben, welches den aktuellen Wert der Versicherung benennt. Der Rückkaufswert wird für den Versicherungsnehmer interessant, wenn er daran denkt diesen Vertrag vorzeitig zu kündigen. Er gibt entsprechend darüber Auskunft, welchen Wert die Versicherung zu diesem Zeitpunkt hat.

In den ersten Jahren nach dem Abschluss einer solchen Police liegt der Rückkaufswert deutlich unter der Summe der eingezahlten Beiträge. Mit anderen Worten hat man in den ersten Jahren fleißig eingezahlt und würde unter dem Strich nur sehr wenig zurückbekommen. Die Kündigung oder der Verkauf einer Lebensversicherung ist also in den ersten Jahren mehr als unrentabel.

Gerade die Abschlussprovisionen, die Verwaltungsgebühren und die Abschlusskosten schmälern den Wert in den ersten Jahren enorm.
Jede neu abgeschlossene Lebensversicherung wird heute mit einer sogenannten Prognose ausgegeben, so dass ein Versicherungsnehmer vom ersten Tag an ungefähr den Rückkaufswert der kommenden Jahre sieht.

Rückkaufswerte für Versicherungspolicen nach 2008

Der Gesetzgeber hat sich in der Vergangenheit stärker für den Verbraucher eingesetzt. Bevor das neue Gesetz verabschiedet wurde, begannen Versicherungsnehmer mit einem sogenannten negativen Kapital.
Es wurden in den ersten Jahren über die Beiträge fast ausschließlich die Abschlussprovisionen und Verwaltungskosten gezahlt. Wer vorzeitig kündigen wollte, ging leer aus, denn der Rückkaufswert belief sich zu diesem Zeitpunkt noch auf Null.

Heute ist das etwas anders. Für alle Lebensversicherungen und kapitallebensversicherungen, die nach dem Jahr 2008 abgeschlossen worden, gilt das neue Gesetz. Jeder Versicherungsnehmer hat heute ein Recht auf einen Mindestrückkaufswert.

Laut dem neuen Gesetz entspricht dieser wenigstens dem Deckungskapital. Dieses ergibt sich wie folgt: Abschlusskosten, Gebühren und Vertriebskosten werden zu gleichen Anteilen über einen Zeitraum von fünf Jahren aufgeteilt.

Der Fachbegriff für die Aufteilung dieser Kosten über einen bestimmten Zeitraum heißt: Zillmerung.

Was ist mit Verträgen vor 2008?

Wer seine Lebensversicherung vor 2008 abgeschlossen hat, sollte sich genau über diverse Gerichtsurteile erkundigen. Es gab inzwischen viele verschiedene Urteile, welche in erster Linie einige Klauseln in den Verträgen als nichtig erklären.

Für die Berechnung dürfen zwar noch die Verwaltungskosten abgezogen werden, jedoch sind die horrenden Abschlusskosten davon ausgeschlossen. Selbiges trifft auf die Stornogebühr zu. Diese kann im Einzelfall geprüft werden.

Wie wird der Rückkaufswert ermittelt?

Stellt sich an der Stelle die berechtigte Frage, wie der Rückkaufswert eigentlich ermittelt werden kann. Abgesehen vom jährlichen Schreiben vom Versicherungsgeber, kann dies zwischendurch von großem Interesse sein. Aus welchen Gründen auch immer die Lebensversicherung gekündigt oder vorzeitig beendet werden muss. Wichtig ist zu wissen, welchen Rückkaufswert die Versicherung noch hat.

In jedem Fall ist von Kündigungen in den ersten fünf Jahren abzuraten. Selbst nach dem neuen Gesetzt würde man am Ende mehr eingezahlt haben, als man zurückbekommen könnte. Allerdings geht heute niemand mehr leer aus. Zudem lohnt sich ein Blick auf die Prognose Übersicht, um eine Vorstellung des Wertes zu erhalten.

Ein Beispiel zur Verdeutlichung

Im Laufe von 20 Jahren wurde eine Summe von 40.000EUR in einer Lebensversicherung angespart. Der Gesamtwert der Versicherung beträgt inzwischen 55.000EUR aufgrund der Zinsen und Zinseszinsgewinnung.

Benötigt der Versicherungsnehmer nun aber das Geld vor Ablauf der Laufzeit, so kann er die Versicherung quasi wieder dem Versicherer „zurückverkaufen“.

Anhand dieses Beispiels würde der Rückkaufswert der Lebensversicherung bei rund 35.000EUR liegen.