Private Krankenversicherung während der Schwangerschaft abschließen?

Die beiden deutschen Krankenversicherungssysteme, nämlich GKV und PKV, unterscheiden sich sowohl in der Beitragsbemessung als auch in ihren Leistungen grundlegend. Insbesondere für den Fall einer Schwangerschaft sollten Sie daher vorausschauende Überlegungen anstellen, um eine optimale Lösung und maximale Sicherheit zu erreichen.

Schwangerschaft: Umfangreiche Leistungen in der PKV

Grundsätzlich ist die medizinische Versorgung von Frauen vor, während und nach einer Entbindung in einer privaten Krankenversicherung entsprechend des gewählten Tarifs abgedeckt. Darüber hinaus werden mindestens die Kosten für das komplette gesetzliche Vorsorgeprogramm für Schwangere übernommen, der Versicherungsumfang kann aber auch weit darüber hinausgehen. Für eine optimale Versorgung sollten Sie deswegen im Vorfeld genau analysieren, was der aktuelle Tarif leistet und welche Alternativen Ihnen offen stehen.

Als wichtige Leistungskriterien während der Schwangerschaft spielen folgende Punkte eine Rolle:

  • die Vor- und Nachsorgeuntersuchungen
  • die Entbindungspauschale sowie
  • die Möglichkeit der zeitlich begrenzten Beitragsermäßigung oder Beitragsfreiheit nach der Geburt.

Hier haben sich die Tarife in der PKV in den letzten Jahren drastisch verändert, denn diese Kosten werden nun gleichmäßig auf beide Geschlechter verteilt, was zu deutlichen Entlastungen führt.

Beachten Sie bitte, dass ein Tarifwechsel innerhalb einer PKV, der zu Leistungsverbesserungen führt, immer mit einer Gesundheitsprüfung einhergeht. Für Schwangerschaften gilt dann eine Wartezeit von acht Monaten – was die Möglichkeiten nach Feststellung der Schwangerschaft drastisch einschränkt. Gleiches trifft auf das Vorhaben zu, sollten Sie von der GKV in die PKV wechseln wollen. Solange eine Schwangerschaft noch nicht festgestellt wurde und sich noch in einem sehr frühen Stadium befindet, ist der Wechsel in eine private Krankenversicherung oder ein Tarifwechsel generell möglich. Gehen Sie aber auf Nummer Sicher, um nicht wegen der Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht und der zu berücksichtigenden Wartezeit in Probleme zu geraten.


Die Systemfrage: PKV oder GKV?

Schwanger und glücklich
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Sind beide Elternteile privat versichert, stellt sich die Frage nach der gesetzlichen Krankenversicherung für ein Kind überhaupt nicht: Es erhält in der Regel bei der Versicherungsgesellschaft des besserverdienenden Partners einen eigenen Vertrag zur PKV, denn im Gegensatz zur GKV ist hier eine kostenlose Familienversicherung nicht möglich. Anders stellt sich die Situation dar, wenn ein Elternteil privat und der andere gesetzliche krankenversichert ist. Solange der privat Versicherte ein Einkommen unterhalb der Versicherungspflichtgrenze bezieht, aber mehr als der gesetzlich Versicherte verdient und die beiden verheiratet sind, kann die kostenlose Familienversicherung der GKV in Anspruch genommen werden.

Die Wahl zwischen der PKV und der GKV entscheidet darüber, ob Sie nach der Geburt Ihres Kindes oder Ihrer Kinder einen Kindertarif der privaten Krankenversicherung auswählen müssen. Mit dem Abschluss ist keine Eile geboten, erst bis zum Ende des zweiten Lebensmonats sollte die Festlegung getroffen werden, um die Gesundheitsprüfung zu umgehen. Eine grundlegende Orientierung zu den Vertragsinhalten empfiehlt sich aber weit im Vorfeld, denn erfahrungsgemäß haben junge Eltern kurz nach der Geburt durchaus andere Interessen.

Kindertarife in der PKV – die Qual der Wahl

Wie es in der privaten Krankenversicherung generell üblich ist, bestimmen vor allem die Leistungen und das Alter die Beitragshöhe. Hinsichtlich der PKV-Tarife für Kinder stehen also eine große Vielfalt zur Auswahl, die vom Versicherungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung ausgehen und bis zu exklusiven privatärztlichen Leistungen reichen kann. Darüber hinaus können Sie Selbstbeteiligungen nutzen, um die Beiträge direkt zu beeinflussen – über den Sinn oder Unsinn bei Kleinkindern, die regelmäßig einen kinderärztliche Untersuchung in Anspruch nehmen sollten, lässt sich trefflich streiten.

Da in der private Krankenversicherung grundsätzlich für jede versicherte Person ein eigener Vertrag abgeschlossen wird, müssen junge Eltern auch bei Mehrlingsgeburten entsprechend tiefer in die Tasche greifen. Die Monatsbeiträge beginnen bei rund 50 Euro und können durchaus bis zu 200 Euro pro Person reichen, was einerseits vom Versicherer und andererseits vom Versicherungsumfang abhängt.

Private Krankenversicherung und Schwangerschaft: Lohnt sich das?

Diese Frage ob sich der Abschluss einer private Krankenversicherung für eine Schwangerschaft lohnt lässt sich nicht in einem Satz beantworten, da vielfältige Vorüberlegungen anzustellen sind. Generell kann die PKV einen deutlich umfangreicheren Versicherungsschutz bieten, kostet dann allerdings auch für jedes Kind einen separaten Beitrag

Zusammenfassend lässt sich festhalten, die PKV lohnt sich für Schwangere, wenn…

  • bis zur Schwangerschaft noch Zeit bleibt, um aus den günstigeren PKV-Beiträgen Rücklagen für die Elternzeit zu bilden
  • rechtzeitig ein Tarif mit Beitragsfreiheit nach der Geburt gewählt wird
  • die junge Mama nicht die volle Erziehungszeit in Anspruch nehmen will und relativ schnell wieder voll in den Beruf einsteigt
  • oder kein Kinderwunsch mehr besteht.