Private Krankenversicherung: Altersrückstellungen beim Wechsel mitnehmen

Im Alter steigt das Risiko ernsthaft zu erkranken. Deshalb bilden die privaten Krankenversicherungen Altersrückstellungen: Der Gesetzgeber möchte mit dieser Maßnahme die Kosten auf einem konstanten Niveau halten. Bei einem Wechsel der PKV sollten Sie deshalb darauf achten einen möglichst hohe Teil der Altersrückstellungen mitzunehmen.

Was ist die Alterungsrückstellung?

Gäbe es keine Alterung, würden die Beiträge für die PKV gleich bleiben. Die Versicherungen müssten sie nicht regelmäßig erhöhen. In der Realität werden Menschen älter und benötigen mehr Leistungen. Um die Beiträge nicht jeden Monat erhöhen zu müssen, werden Altersrückstellungen gebildet. Im Zuge der Gesundheitsreform hat der Gesetzgeber am 1. Januar 2000 einen 10-prozentigen Beitragszuschlag eingeführt. Versicherte zwischen 20 und 60 Jahren müssen diesen Beitrag entrichten. Das Geld wird fest angelegt und verzinst, was die Versicherungsleistungen ohne Beitragserhöhungen sichert.

Altersrückstellung: Wechseln oder nicht?

Es kursieren einige falsche Ansichten, was die Mitnahme der Altersrückstellungen in den privaten Krankenversicherungen betrifft. Viele Privatversicherte verschenken ihre Altersrückstellung, indem sie sich nicht ausreichend informieren.

1.: Bis zum 31. Dezember 2008 galt ein Wechsel der privaten Krankenversicherung als wenig lukrativ, da die Altersrückstellung nicht übertragen wurde. Sie musste beim neuen Vertragspartner komplett neu aufgebaut werden. Für einen langjährigen Beitragszahler stellte der Wechsel ein verlustreiches Geschäft dar. Je später der Anbieterwechsel vollzogen wurde, desto größer die finanziellen Einbußen. Lediglich junge Beitragszahler konnten von diesem Schritt profitieren. Somit waren alte Versicherte an ihren Anbieter gebunden, da es an einer Mitnahmemöglichkeit fehlte.


2.: Da dieses Vorgehen den Wettbewerb einschränkte, musste der Gesetzgeber reagieren. Seit dem 1. Januar 2009 gilt eine neue Regelung: So dürfen Neukunden beim Versicherungswechsel einen großen Teil ihrer Altersrückstellungen mitnehmen. Voraussetzung ist, dass der Versicherte den Vertrag erst ab dem 1. Januar 2009 abgeschlossen hat. Den Bestandskunden wurden 6 Monate eingeräumt, um ihre PKV zu wechseln. Wer darauf verzichtet hat, muss bei einem heutigen Wechsel womöglich auf seine Altersrückstellung verzichten.

Wann drohen Abzüge beim PKV Wechsel?

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Es wird nur der Teil der Altersrückstellungen übertragen, welcher dem sogenannten Basistarif entspricht. Hier handelt es sich um einen gesetzlich geregelten Einheitstarif der privaten Krankenversicherungen. Er deckt den Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung ab und soll einen Grundschutz bieten.

Wer einen hochwertigen Volltarif hat, verliert einen großen Teil seiner Altersrückstellung. Hier hängt es davon ab, wie viele zusätzliche Leistungen im Tarif enthalten sind. Ob sich der Wechsel lohnt, ist im Einzelfall konkret nachzurechnen. In vielen Fällen ist der Versicherungswechsel eher weniger lukrativ. Die jetzige Regelung zahlt sich für Versicherte im Basistarif aus, da sie keine finanziellen Verluste erleiden.

Alternative: Tarifwechsel innerhalb der PKV

Privatversicherte können sich für einen anderen Tarif bei ihrer PKV entscheiden. Diese Alternative steht jedem Versicherten gemäß § 204 VVG (Link) zu. Das Tarifwahlrecht erlaubt es Ihnen, in einen Tarif mit gleichartigen Leistungen zu wechseln, der ggf. günstiger ist als der aktuelle Tarif. In diesem Fall werden die Altersrückstellungen in voller Höhe angerechnet. Das ist ein Vorteil für langjährige Bestandskunden, die sonst einen Teil ihrer Beiträge „umsonst“ einbezahlt hätten.

Ein Tarifwechsel ist jederzeit möglich. Das Versicherungsjahr spielt keine Rolle, ebenso wenig eine mögliche Beitragsanpassung. Auch alle erworbenen Rechte bleiben vollumfänglich erhalten. Bei abweichenden Leistungen steht es dem Versicherer frei, eine erneute Gesundheitsprüfung zu verlangen. Um das zu vermeiden, können die Mehrleistungen aus dem neuen Tarif ausgeschlossen werden.

Die private Krankenversicherung kann ihre Tarife beliebig anbieten. Sie ist nicht dazu verpflichtet, auf besonders günstige Angebote hinzuweisen. Solche Tarife können äußerst attraktiv sein, weshalb sich das Tarifwahlrecht lohnt. Es ist Ihre Aufgabe, sich über gute Tarife gründlich zu informieren.

Fazit: Ob sich ein Wechsel der privaten Krankenversicherung lohnt, ist von der Höhe der angesparten Altersrückstellungen abhängig. Eine vollständige Mitnahme ist nur im Rahmen einer Tarifoptimierung sowie im brancheneinheitlichen Basistarif möglich.