Welche Krankenversicherung für Unternehmer mit Kleingewerbe?

Unternehmer die ein Kleingewerbe betreiben haben – wie alle Selbständigen – die Wahl, ob sie sich freiwillig gesetzlich krankenversichern oder eine private Krankenversicherung abschließen. Die Entscheidung ist nicht trivial, denn sie hat unter Umständen langfristige Konsequenzen. Sie sollte daher gut überlegt sein. Hier sind einige Tipps und Hinweise, was bei der Entscheidung zu beachten ist.

Was sind Kleingewerbetreibende?

Kleingewerbetreibende sind selbständige Unternehmer, deren Geschäftstätigkeit (noch) keinen Umfang erreicht, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert. Das Handelsrecht definiert die Grenze zwischen einem Kleingewerbetreibenden und einem „echten“ Kaufmann nicht genauer. Zur Abgrenzung wird oft das Steuerrecht herangezogen. Danach tritt für Gewerbetreibende die Buchführungspflicht erst ein, wenn pro Kalenderjahr ein Umsatz von mehr als 600.000 Euro oder ein Gewinn von mehr als 60.000 Euro erzielt wird.
Unter diesen Grenzen liegende Unternehmer können als Kleingewerbetreibende bezeichnet werden. Oft stellen Existenzgründungen zunächst ein Kleingewerbe dar. Erst wenn der Betrieb wächst, werden kaufmännische Größenordnungen erreicht.

Wovon die Versicherungsbeiträge abhängen

Junger Unternehmer
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Bezüglich der Krankenversicherung gelten für Unternehmer mit einem Kleingewerbe im Prinzip die gleichen Regeln wie für andere Selbständige auch. Sie sind grundsätzlich für die Absicherung ihres Krankheits- und Pflegerisikos selbst verantwortlich. Dazu haben sie die Wahl zwischen freiwilliger gesetzlicher oder einer privater Krankenversicherung.

Zwischen beiden Versicherungsformen bestehen gravierende Systemunterschiede:
während die GKV Beiträge nach dem Solidarprinzip erhebt, kalkulieret die PKV nach dem sogenannten Äquivalenzprinzip. Solidarprinzip bedeutet, dass die Beiträge sich an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit – gemessen am Einkommen – orientieren. Äquivalenzprinzip heißt, dass die Beiträge nach den zu erwartenden Versicherungsleistungen unter Berücksichtigung des individuellen Risikos bemessen werden.

Die Tatsache, dass Unternehmer mit einem Kleingewerbe zunächst eher wenig Einkommen erzielen, scheint zunächst für die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung zu sprechen. Tatsächlich gibt es dabei aber einige Tücken:


  • Selbständige werden im Normalfall mit dem Höchstbeitrag, der sich an der Beitragsbemessungsgrenze (2016: 4.237,50 EUR monatlich) orientiert, eingestuft. Die monatlichen Einkünfte der meisten Kleingewerbetreibenden dürften deutlich darunter liegen.
  • wer weniger verdient, kann bei entsprechendem Nachweis zwar niedriger eingestuft werden. Dafür gilt aber eine Mindestbemessungsgrenze (2016: 2.178,75 EUR monatlich), anhand derer die Beiträge festgelegt werden – selbst dann, wenn die tatsächlichen Einkünfte niedriger sind.
  • Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit, die einen Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit erhalten, können eine weitere Beitragssenkung in Anspruch nehmen. Ihr Beitrag wird nach fiktiven Einkünften von 1.452,50 Euro monatlich bestimmt. Unter gewissen Ausnahmen gilt diese Grenze auch für andere Kleingewerbetreibende.
  • Wer sein Kleingewerbe als Nebenerwerb betreibt, kann unter Beachtung bestimmter Grenzen in der Familienversicherung seines gesetzlich krankenversicherten Ehepartners mitversichert bleiben. Diese Lösung ist besonders vorteilhaft, da kostenlos.

Bei der privaten Krankenversicherung spielt das Einkommen dagegen keine Rolle. Hier zählt vor allem das individuelle Risiko, das wesentlich vom Alter und dem Gesundheitszustand bzw. -verhalten geprägt wird. Je jünger und gesünder der Versicherte beim Eintritt ist, umso günstiger fallen die Beiträge aus. Mit steigendem Alter nehmen die Beiträge zu, bei bestehenden Verträgen wird der Anstieg über Altersrückstellungen abgefedert. Im Unterschied zur GKV gibt es bei den privaten Krankenkassen keine Familienversicherung. Hier ist jedes Familienmitglied extra zu versichern.

Gesetzlich oder Privat: Unterschiedliche Leistungen

Kleinunternehmer Kleingewerbe
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Darüber hinaus sind für Unternehmer auch Unterschiede im Leistungsniveau zu berücksichtigen. Die gesetzlichen Krankenkassen bietet eine medizinische Regelversorgung – mit Leistungslücken. Dem entspricht der Basistarif in der privaten Krankenversicherung.

Selbständige, die den regulären Beitragssatz (14,6% + Zusatzbeitrag) zahlen, haben dabei in der gesetzlichen Krankenversicherung Anspruch auf Krankengeld – ein wichtiger Schutz zur Existenzsicherung bei krankheitsbedingtem Verdienstausfall. Beim Verzicht auf Krankengeld gilt ein ermäßigter Beitragssatz (14,0% + Zusatzbeitrag).

In der privaten Krankenversicherung ist das Krankengeld dagegen generell gesondert zu versichern. Die privaten Versicherer bieten darüber hinaus zahlreiche zusätzliche Tarifoptionen für bessere Leistungen und mehr Versicherungsschutz. Kleingewerbetreibende in der gesetzlichen Krankenversicherung können hier entsprechende private Zusatzversicherungen abschließen.

Die individuelle Situation als Entscheidungsgrundlage

Dieser Überblick zeigt, die Beitragshöhe hängt sowohl bei der gesetzlichen wie bei der privaten Krankenversicherung von vielen Faktoren ab. Wer die Beiträge vergleicht, sollte dabei nicht nur die aktuelle Situation, sondern auch die persönliche Lebensplanung und die weitere Geschäftsentwicklung mit berücksichtigen. Tendenziell sind ältere Unternehmer oder Kleingewerbetreibende mit Kindern in der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung besser aufgehoben. Die PKV bietet dagegen vor allem für jüngere Alleinstehende niedrigere Beiträge.

Um die „richtige“ Entscheidung zu treffen ist sinnvoll eine unabhängige Beratung zu nutzen. Denn wer sich einmal für die private Krankenversicherung entschieden hat, kann nur unter recht engen Voraussetzungen wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung.