Keine Krankenversicherung? Was tun, wer zahlt im Notfall?

Seit 2007 besteht deutschlandweit eine einheitliche Krankenversicherungspflicht. Verschiedene persönliche Umstände können jedoch dazu führen, dass man dennoch keine Krankenversicherung besitzt. Wer zahlt dann im Notfall und wo findet man Hilfe?

Wenn die gesetzliche Krankenversicherungspflicht versagt

Innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung gilt seit 2007 eine Versicherungspflicht. Im Jahr 2009 wurde diese Pflicht ebenso für Privatversicherte eingeführt. Demnach müssen deutsche Bürger innerhalb einer Krankenversicherung Mitglied sein. Parallel dazu dürfen Versicherungsgeber einen Antrag auf Mitgliedschaft nicht ablehnen. Eigentlich sollte das Problem des fehlenden Versicherungsschutzes damit aus dem Weg geräumt sein.

Keine Krankenversicherung
© Andy Dean / Fotolia

Diverse persönliche Probleme und unglückliche Lebensumstände können allerdings zum Ausschluss aus der Versicherung führen, wodurch der Versicherungsschutz entfällt. Betroffen sind zumeist Freiberufler, Selbstständige, Obdachlose, die aus einer finanziellen Notlage heraus nicht dazu in der Lage sind, ihre Beiträge zu begleichen.

Oft werden die Schuldner, begründet durch ihre offenen Beiträge, aus der Krankenversicherung geworfen. Infolgedessen besteht kein Versicherungsschutz. Sollte ein Notfall eintreten, etwa ein Unfall, der eine stationäre Behandlung erfordert, müssen Betroffene dennoch nicht auf die notwendige Behandlung verzichten.

Medizinischer Notfall und keine Krankenversicherung? Anlaufstellen für Betroffene

Generell hat jeder Deutsche das Recht auf eine medizinische Notfallbehandlung. Kein Arzt oder Krankenhaus darf eine Behandlung aufgrund eines fehlenden Versicherungsschutzes ablehnen. Auch wenn Betroffene in solchen Situationen Angst haben, nicht behandelt zu werden, sollten sie die Notfallbehandlung in Anspruch nehmen.


Bezüglich der entstehenden Behandlungskosten gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Zum einen können Patienten die Kosten selbst tragen. Hierfür sind beispielsweise Barzahlungen bei der Entlassung vorgesehen. Alternativ lässt sich mit dem behandelnden Krankenhaus eine Ratenzahlung vereinbaren. Daneben besteht allerdings auch die Möglichkeit, die Kosten vom Sozialamt tragen zu lassen. Das zuständige Sozialamt ist grundsätzlich verpflichtet, in Not geratenen Personen mit einer Kostenübernahme unter die Arme zu greifen.

Sollte der fehlende Versicherungsschutz mit einem noch nicht bearbeiteten oder laufenden Arbeitslosengeld II Antrag im Zusammenhang stehen, besteht rückwirkender Versicherungsschutz, sobald der jeweilige Antrag bewilligt wurde. In solch einem Fall muss die Krankenkasse rückwirkend in Leistung treten und die Kosten für die Notfallbehandlung übernehmen. Hilfe bei der Beantragung notwendiger Leistungen bieten soziale Einrichtungen wie die Diakonie oder Caritas Verbände.

Keine Krankenversicherung – Was tun?

Generell hat jeder in Deutschland lebende Bürger das Recht auf eine Mitgliedschaft innerhalb einer Krankenversicherung. Dieses Recht ist per Gesetz vorgeschrieben. Demnach sind Krankenkassen dazu verpflichtet, Mitglieder auf Antrag aufzunehmen, solange ein nachweisbares Einkommen vorliegt. Sofern kein eigenes Einkommen vorliegt, dafür aber Sozialleistungen bezogen werden, findet eine automatische Versicherung in der GKV statt. Die monatlichen Beiträge werden vom jeweils zuständigen Amt übernommen und direkt an den Versicherer gezahlt.

Der Versicherungsschutz in gesetzlichen Krankenkassen besteht in diesem Zusammenhang vom ersten Tag der Antragsstellung auf Sozialleistungen an. Für Selbstständige und Freiberufler besteht zusätzlich die Möglichkeit einer privaten Krankenversicherung. Gleiches gilt für Angestellte mit einem Einkommen über 52.200,00 Euro jährlich.

Doch wie kommt man als Nichtversicherter nun in die gesetzliche Krankenversicherung?

  1. Als Erstes sollte eine gesetzliche Krankenversicherung ausgewählt werden, in welcher man Mitglied werden möchte.
  2. Anschließend ist eine persönliche Kontaktaufnahme mit dem Versicherer notwendig. Idealerweise in einer ortsansässigen Geschäftsstelle.
  3. Wer den Versicherungsschutz innerhalb einer ausgewählten Krankenversicherung anstrebt, muss eine Beitrittserklärung ausfüllen. Hierbei ist der Nachweis eines vorhandenen Einkommens erforderlich. Beispielsweise ein Arbeitsvertrag, ein Bewilligungsbescheid, der Nachweis das Sozialleistungen beantragt wurden, Rentenbescheide, Einkommensprognosen (Selbstständige und Freiberufler) etc.
  4. Mit Ausfüllen und Einreichen der Beitrittserklärung läuft alles wie von allein. Die Krankenversicherung prüft die Beitrittserklärung und nimmt das Neumitglied auf. Neue Mitglieder erhalten automatisch ihre Versicherungskarte und die Versicherungsnummer.